Eine Frage, die oft von Künstlern und Kritikern gleichermaßen gestellt wird – und die mal mehr, mal weniger ernst gemeint ist – ist wohl der Spruch „Ist das Kunst, oder kann das weg?“. Eine Frage, die schon zu vielen kuriosen Ereignissen geführt hat, wie im Falle einer 91-jährigen, die 2016 im Neuen Museum Nürnberg ein Kreuzworträtsel-Kunstwerk ausfüllte und so in die Reihe der Museumsbesucher und -angestellten eintritt, die Kunstobjekte durch Putz- oder Malaktionen „verbessert“ haben.

Aber was ist Kunst denn nun wirklich? Fragt man den Duden, so ist Kunst „“schöpferisches Gestalten aus den verschiedensten Materialien oder mit den Mitteln der Sprache, der Töne in Auseinandersetzung mit Natur und Welt. Ein Schaffensprozess also, an dessen Ende etwas entsteht, dass sich auf die eine oder andere Art mit der Natur und der (Um)Welt auseinandersetzt. Dabei kann sie alle möglichen Formen der Abstraktion erreichen – man vergleiche nur den David des Michelangelo, der so detailgetreu und nah am Menschen ist, dass man kaum glauben mag, er sei aus Stein gemeißelt, mit den Werken des Pablo Picasso, die vor allem in seiner blauen Phase eher weniger mit der realen Welt zu tun haben scheinen. Oder auch Dalís La Jiraffa En Llamas – Die brennende Giraffe – von 1937: ein Bild, das surrealer nicht sein könnte. Und trotzdem erkennen wir in allen Werken etwas wieder. Etwas aus unserer eigenen Erfahrung, aus der eigenen Welt, das uns bekannt vorkommt.

In der Literatur, vor allem in den literarischen Kategorien der Fiktion, spricht man hier von Subliminalität und Estrangement. Subliminialität ist ein Begriff, der vor allem mit den Geschichten H.P. Lovecrafts verknüpft wird. Er beschreibt die Erfurcht, die den Helden und dessen Leser ergreift, wenn sie das erste mal auf das unbegreifliche Wesen Cthulhu treffen. Eine Gestalt, ein Gott so unbegreiflich für das menschliche Gehirn, dass wir ihm nur mit Ehrfurcht begegnen können.

Estrangement wiederum beschreibt die gekonnte Veränderung von etwas Bekanntem zu etwas neuem, komplett Unbekannten. Wobei – nicht komplett unbekannt. Der Leser bzw. Betrachter sieht zwar etwas ihm Unbekanntes, erkennt darin aber auch etwas wieder, das er kennt. Dadurch entsteht ein Gefühl des Deja Vus, und das Bedürfnis des Menschen, alles kategorisieren zu können, wird befriedigt ohne dabei seine Begeisterung oder Ehrfurcht vor dem Neuen zu verlieren.

Aber warum diese Ausschweifungen in die Literatur?

Was ist denn Kunst nun?

Kunst ist alles, von Literatur über Malerei zu Musik, das es schafft, uns bekannte Situationen, Gedanken oder Geschehnisse aufzugreifen und in einem neuen Licht anschaulich darzustellen. Kunst kann politisch, emotional, klinisch, befremdlich und alles zusammen sein. „Kunst liegt im Auge des Betrachters“ heißt ein anderes Sprichwort – und das tut sie wirklich. Denn Kunst funktioniert nicht für jeden gleich. Um ein Kunstwerk zu verstehen, muss man eine Bindung dazu aufbauen und das eigene Leben damit verbinden können. Bewusst oder unbewusst.